Radfahren in Brühl – ein echtes Abenteuer

Obwohl Brühl zu den fahrradfreundlichen Städten gehört und fast holländische Radverkehrsanteile hat, ist das Radfahren mitunter ein echtes Abenteuer, setzt Risikobereitschaft voraus und erfordert vom Radfahrenden Humor, Güte und Nachsicht mit Stadtplanern und Autofahrern.

Wer es nicht glaubt sei eingeladen, sich die nebenstehende Fotostrecke anzusehen, die deutlich macht, dass der Versuch, innerörtlich die Radfahrenden von der Straße fernzuhalten und auf den Gehweg zu schicken, gefährlich und unregulierbar ist.

Wir betrachten die L 184 Römerstraße, später Alte Bonnstraße, von der Liblarer Straße bis zum Eckdorfer Mühlenweg.

Hier gibt man sich viel Mühe eine Radwegführung vorzugeben, die abseits der Straße liegt, jedenfalls zum Teil.

An der Kreuzung mit der Liblarer Straße fehlen von der Liblarer Straße die Linksabbiegemöglichkeiten für Radelnde. Vorschlag: rot markierte Aufstellflächen vor der Haltelinie des motorisierten Verkehrs. Auch auf der Römerstraße selbst ist das links Abbiegen für Radfahrende nicht vorgesehen. Hier fehlen ebenfalls die Aufstellflächen.

An dieser Kreuzung endet der mit Richtungshinweisen ausgeschilderte Pseudoradweg (östlicher Fußweg der Römerstraße; zum Teil mit Zusatzbeschilderung Fahrrad frei, zum Teil kombinierten Rad- Fußweg). In Unkenntnis der Sachlage (nördlich der Liblarer Straße ist der Fußweg auf der östlichen Seite nicht mehr für Radfahrende frei) fahren die Leute trotzdem weiter, obwohl der Weg extrem eng ist. Manche Wagemutige fahren dort dann auf den Schutzstreifen – aber gegen die Fahrtrichtung, was richtig gefährlich ist. Eine geordnete Querung auf die Straße findet jedenfalls nicht statt.

Besser wäre, den Radweg und auch die Richtungsbeschilderung auf die Straße zu bringen. Der Schutzstreifen ist ja schon da.

In südlicher Richtung hat man sich aber etwas anderes einfallen lassen. Um den Autoverkehr nicht einzuschränken, wird von der Liblarer Straße in südlicher Richtung der Radweg auf den Fußweg gelenkt, hier beschildert als kombinierter Fuß-Radweg. Dies führt in Höhe der Kreuzung Eichendorfstraße zu den nächsten Problemen. Auch hier fehlen die Linksabbiegemöglichkeiten, es sei denn es würde akzeptiert, zunächst bei Grün die Eichendorfstraße zu überqueren, um dann auf Grün für die Querung der Römerstraße zu warten. Kein Auto muss an einer Kreuzung zweimal halten.

Problematischer ist aber, dass der Unfug des kombinierten Fuß- und Radweges auch südlich der Eichendorfstraße fortgesetzt wird. Mehrere Ausfahrten queren zunächst diesen Weg, um dann die Römerstraße zu erreichen. Teilweise – wie bei Plus – mit einer weißen Linie und einem Stop-Schild gesichert, teilweise – wie bei der Ramada-Hotel-Ausfahrt – gar nicht extra gesichert. Ob mit oder ohne Stop-Schild: die Autos fahren durch bis zur Straße und halten nicht vor dem Fuß- Radweg, auf dem in beiden Richtungen Radfahrende zu erwarten sind. Besonders gelungen ist auch der Versuch, den überörtlichen Radweg (von Süden kommend) in Höhe des Ramadahotels vom Gehweg scharf links in eine Seitenstraße abbiegen zu lassen. Das ist kaum vernünftig zu erkennen noch sicher zu handeln, denn umgekehrt müssen hier die Räder eine steile Rampe herab und scharf nach rechts auf einen Weg abbiegen, der schmal und in beiden Richtungen ebenfalls für Radfahrende und Fußgänger frei ist.

Besonders gefährlich ist dann auch die Kreuzung der Euskirchener Straße. Hier sollen die Radfahrer einen beampelten Zebrastreifen nutzen, auf eine Verkehrsinsel fahren und sich dann im weiteren Verlauf wieder entscheiden ob sie auf dem Fußweg / Fahrrad frei weiter fahren oder den Schutzstreifen auf der Straße nutzen, den die Alte Bonnstraße ab hier bietet. Dieser Zebrastreifen liegt so weit hinter der Kurve, dass das Geschehen hier nicht mehr durch die Autofahrenden einzusehen ist. Es kam schon zu entsprechenden Unfällen.

Die besserer Alternative wäre, den Schutzstreifen auf der westlichen Seite der Römerstraße zwischen Liblarer Straße und Euskirchener Straße zu ergänzen und in den Kreuzungsbereichen entweder in den Spuren Fahrradstreifen eingebaut, oder – wenn dafür der Platz nicht reicht, die separaten Spuren aufgehoben und eine rot markierte Aufstellfläche für die Räder eingerichtet werden. Insbesondere gilt dies für die Kreuzung Euskirchener / Pingsdorfer / Alte Bonn / Römerstraße in allen Richtungen.

An der Alten Bonnstraße wird der Unfug dann auf die Spitze getrieben. Hier wird der Radweg auf dem Fußweg ausgeschildert, obwohl Schutzstreifen auf der Straße angelegt sind. Ein besonderer Konfliktpunkt ist hier die Ausfahrt aus dem Parkplatz der Seniorenresidenz, auf der regelmäßig Radfahrende angefahren werden, in der Regel ohne Folgen, weil die Geschwindigkeiten niedrig sind, aber dennoch. Weiter ärgerlich ist das Queren der Fahrbahn auf den Zebrastreifen, was logisch ist, wenn man die Radfahrenden auf dem Fußweg hält. Dies gilt vor allem für die Zebrastreifen am Kreisverkehr Berliner Ring, die ja Fußwege und keine Radwege sind. Wenn aber unmittelbar davor und danach ein Schild Fußweg / Fahrrad frei, suggeriert dieses, dass hier über die Zebrastreifen gefahren werden darf.

Noch weiter südlich, nach der K 7, wird es dann noch einmal ganz unlogisch. Dort wird der in Richtung Süden führende Schutzstreifen auf den Gehweg / Fahrrad frei verschwenkt. Es wird also keine Benutzungspflicht ausgesprochen. Durch das Ende des Schutzstreifens wird den Autofahrern aber ein Freibrief ausgestellt, die regelgerecht auf der Straße fahrenden Radfahrer als Freiwild zu betrachten, zu schneiden und anzuhupen.

Warum dann im neuen Kreisverkehr an der Steingasse erneut Benutzungspflichten für den Fußweg durch das Schild „kombinierter Rad- Fußweg“ ausgesprochen werden, ist unlogisch.

Mein Vorschlag: der aus Richtung Walberberg kommende straßenbegleitende Radweg auf der östlichen Seite der Alten Bonnstraße wird auf der nördlichen Seite des Kreisverkehrs Steingasse auf die westliche Seite der Alten Bonnstraße in einen Schutzstreifen geführt. In den Kreuzungbereichen wird die Radwegführung durch die rote Markierung kenntlich gemacht.

Der Schutzstreifen wird also zwischen Steingasse und K 7 auf beiden Seiten der Alten Bonnstraße verlängert. Insgesamt wird der Radweg im gesamten Verlauf von Alter Bonnstraße und Römerstraße zwischen Steingasse und Liblarer Straße auf Schutzstreifen auf der Straße geführt. Die Ausschilderung der überörtlichen Radwege folgt dieser Verkehrsführung.

Der straßenbegleitende Weg wird Fußweg. Kinder bis Acht müssen, Kinder bis Zehn können diesen Fußweg auf dem Rad benutzen.

Schutzstreifen?
Ganz schön enge Kurve nach der breiten Sraße, ... Vorsicht ....
... nicht das Schild demolieren!


Der Überweg auf der Euskirchener Straße ist für rechtsabbiegende Autofahrer nicht zu einzusehen.
Da kann es sich vor der Ampel auf dem Fußweg schon mal knubbeln.
Aus der Stadt kommend gibt es keine Linksabbiegemöglichkeit in die Alte Bonnstraße ...
... da fährt der Radler dann auch mal auf dem engen Fußweg ...
... und bleibt dann hoffentlich an der roten Ampel stehen.
Zurück zum "Radweg" Richtung Süden. Vor der Seniorenresidenz als Fußweg / Fahrrad frei ausgewiesen.
Gleich kommt die Ausfahrt, was zu sehen?
Die Ausfahrt, ohne Stop-Schild, ohne Linie, ...
... da hält der Autofahrer natürlich erst vor der Straße ...
... und blockiert den "Radweg".
Rudelbildung auf dem Radweg ...
... der hier aber eigentlich ein reiner Fußweg ist, wie der Blick in die andere Richtung verrät.