Entlang der Villebahn durch Kölns Wilden Westen

[zu den beiden Bilderleisten: von rechts oben im Uhrzeigersinn Impressionen von Urfeld bis Bedburg: Bahnhof Urfeld, Chemie Urfeld, Wesseling Mitte, Querbahn Wesseling Brühl, Berzdorf, Brühl Finanzamt, Brühl Güterbahnhof, Stadtbahn Vochem, Stadtbahn und Bundesbahn Fischenich, Schwarze Bahn in Hürth, Chemie in Knapsack, Kohleumladestation Schwarze Bahn und Nord-Süd-Kohlenbahn, Berrenrath, Grube Karl in Frechen, Nord-Süd-Kohlenbahn in Habbelrath, Autobahn 4, Bahnhof Horrem, Radweg Erft, Erft bei Glesch, Bedburg Innenstadt, Schloss Bedburg, Reginalbahn Bedburg Horrem]

 

Mit dem Fahrrad entlang der Villebahn durch Kölns Wilden Westen

 

Entdeckungsreise in eine unbekannte Nachbarschaft

 

(von Herbert Eidam)

Wer sich ein Bild von einer künftigen Villebahn machen möchte und wem die Gegend jenseits der Siedlungsfächen zwischen Brühl, Hürth und Frechen noch unbekannt ist, sei eingeladen zu einer etwas anderen Radtour durch Kölns Wilden Westen, die Johannes Bortlisz-Dickhoff entdeckt und beschrieben hat. Schon die industrie-historischen Anfänge der Region spiegeln den Pioniergeist wieder, den es wiederzubeleben gilt, wenn es um die Umsetzung der Idee einer Regionalstadtbahn über den Villerücken geht. So liegt es auf der Hand, zunächst mit eigener Kraft das Gebiet zu erkunden, über das künftig eine neue umweltverträgliche Verkehrsader im Großraum Köln verlaufen könnte.

 

Die Region

 

Die ersten Braunkohlegruben auf dem Gebiet des heutigen Rhein-Erft-Kreises gab es in Brühl in den 1870er Jahren, von dort aus wanderte der Kohleabbau in Richtung Nord-Westen über den gesamten Villerücken. Bergbau wird heute noch in Elsdorf, Kerpen, Bergheim und Bedburg aktiv betrieben. Die rekultivierten Bereiche im Südrevier dienen inzwischen als wertvolle Naherholungsgebiete. Das Gebiet zwischen Hürth und Bergheim befindet sich zur Zeit im Rekultivierungsprozess: Die Tagebaue werden verfüllt und anschließend landschaftlich gestaltet. Ausgekohlt werden noch die Tagebaue Hambach – zwischen Elsdorf und Kerpen – und Garzweiler nördlich von Bedburg.

Durch diese starken Landschaftsveränderungen entwickelte sich im Rhein-Erft-Kreis die besondere Situation, dass der Villehöhenzug von zwei Siedlungsbändern gesäumt wird, die jeweils rückwärtig zur Villehöhe hin ausgerichtet sind und auch heute noch zahlreiche auf den Bergbau zurück gehende Siedlungen aufweisen. Zum Einen ist dies das Siedlungsband östlich der Ville, das sich von Brühl über Hürth nach Frechen hinzieht, zum Anderen die Siedlungsachse Erftstadt – Kerpen westlich der Ville. Zunächst am Rande der östlichen Siedlungsflächen, später längs des westlichen Siedlungsbandes verläuft die Strecke der Villebahn.

 

Die Villebahn-Radtour

 

(von Johannes Bortlisz-Dickhoff)

Die Villebahn-Radtour führt über Radwege, Straßen und Feldwege. Sie ist ca. 70 km lang und hat keine unüberwindbaren Höhenunterschiede. Voraussetzung ist geländetaugliches Fahrrad und die Bereitschaft ca. fünf Stunden Rad zu fahren. Start und Endpunkte sind Wesseling-Urfeld Bahnhof (Stadtbahnlinie 16 Köln – Wesseling - Bonn) und der Bahnhof Bedburg (Regionalbahn 38 Köln/Horrem – Bergheim – Bedburg – Neuss). Die Tour lässt sich in Kerpen-Horrem unterbrechen. Von dort bestehen gute Bahnverbindungen nach Bedburg, Düren und Köln.

Die folgende Wegbeschreibung soll eine erste Orientierung zur Vorbereitung der Villebahn-Tour bieten. Da es sich um eine Strecke abseits der bekannten und ausgeschilderten Fahrradrouten handelt, ist der Blick auf eine gute Radwanderkarte, wie zum Beispiel die im Jahr 2007 neu aufgelegte Radwanderkarte des Rhein-Erft-Kreises, empfehlenswert.

 

Von Wesseling längs der Querbahn

 

Die Tour beginnt in Wesseling-Urfeld. Urfeld ist mit der Stadtbahn oder vom Rhein-Radweg aus – zwischen Rheinkilometer 665 und 666 – zu erreichen. Startpunkt ist der Bahnhof. Wir folgen auf dem Radweg an der B 9 in Richtung Wesseling-Süd und Wesseling Mitte. Rechts von der Strecke sind Teile der Wesselinger Chemie zu sehen. Wir folgen der Fahrradwegweisung nach Berzdorf und Brühl an der L 184 und nutzen den Radweg weiter bis zum Gewerbegebiet Berzdorf. Die Villebahn ist nun in Gestalt der sogenannten Querbahn Brühl – Wesseling rechts von uns zu erkennen.

Wer mag, kann den Feldweg links von der Bahn weiterfahren. Ansonsten geht es weiter entlang der L 184 und am Berzdorfer Wasserturm rechts. In Berzdorf Nord, am ehemaligen Haltepunkt der Köln-Bonner Eisenbahnen (KBE), folgen wir der K 31 Richtung Langenacker Hof, biegen den Feldweg links ein, um diesem bis Brühl Ost, immer nördlich der Querbahn zu folgen.

 

Durch Brühl Ost und nach Vochem

 

Hinter dem Super- und Baumarkt im Gewerbegebiet Brühl Ost überqueren wir im Zuge der Berger Straße (K 7) wieder die Querbahn am Bahnhof Brühl Ost in südlicher Richtung. Über die Schildgesstraße umfahren wir die Mauserwerke, und es geht es nach Westen. Am Ende der Schildgesstraße geht es nach rechts auf die Kölner Straße (L 194) in Richtung Finanzamt.

Wir machen eine Stichfahrt in Richtung Brühl Güterbahnhof, vor dem die Eisenbahnbrücken der Querbahn und der DB-Strecke Köln – Bonn übereinander führen. Hier wäre ein künftiger Verknüpfungspunkt zwischen Villebahn und DB sinnvoll.

Zurück geht es wieder über die Kölner Straße bis zur Königsstraße, in die wir rechts einbiegen. Dieser folgen wir weiter nach Westen bis zur Kurfürstenstraße, in die wir rechts einbiegen. Vorbei am Karlsbad erreichen wir wieder die künftige Villebahn und das Betreibswerk Brühl-Vochem der Häfen und Güterverkehr Köln AG. Am Bahnhof in Brühl-Vochem (Stadtbahnlinie 18) wechseln wir auf den westlichen Radweg und folgen der Römerstraße (L 183) nach Norden in Richtung Hürth.

 

Neben der Schwarzen Bahn

 

In Fischenich fahren wir kurz von der Bonnstraße in die erste Straße nach links (Schmittenstraße), um den möglichen Standort für einen Verknüpfungshaltepunkt von Villebahn, Stadtbahnlinie 18 und DB-Strecke Köln – Euskirchen – Trier zu besichtigen. Über die Bonnstraße geht es weiter bis zur Luxemburger Straße (B 265). Wenige hundert Meter hinter der ehemaligen KBE-Güterabfertigung Kendenich und der alten Omnibuswagenhalle der KBE überqueren wir bereits die eingleisige Schwarze Bahn in Richtung Knapsack, über die die Villebahn nun verläuft. Die Luxemburger Straße wird überquert, direkt hinter dem Autohaus geht es nach links in die Duffesbachstraße nach Alt-Hürth entlang der Schwarzen Bahn. Wir kommen über die Baustelle des neuen „Hürther Bogens“. An seinem anderen Ende sehen wir das Einkaufszentrum Hüth Park, zu dem die Stadtbahn aus Richtung Köln verlängert werden soll. Auch die Villebahn sollte hier eine Haltestelle erhalten.

Wir folgen der Duffesbachstraße entlang der Schwarzen Bahn bis nach Alt-Hürth. Dort müssen wir wegen der Einbahnstraßen einen kleinen Bogen am alten Hürther Schwimmbad vorbei, über Kranzmaarstraße, Ringstraße und Mühlenstraße fahren, bis wir über die Firmenichstraße zur Schwarzen Bahn kommen. Dieser folgen wir bis hinauf zum Knapsacker Chemiehügel. Wir folgen weiter der Straße und kommen zur Kohleverladeanlage am Ende der Schwarzen Bahn (An den weißen Häusern). Hier könnte der Trassenwechsel der Villebahn auf die Nord-Süd-Kohlenbahn stattfinden. Ganz in der Nähe liegt der Otto-Maigler-See, ein beliebter Badesee.

Wir folgen der Straße bis es rechts auf die Wendelinusstraße (L 103) nach Berrenrath geht. Direkt hinter der Unterquerung der Nord-Süd-Bahn biegen wir in die erste Straße links in Berrenrath ab (Ursfelder Straße / Kierdorfer Straße). Am Ende fahren wir links erneut unter der Nord-Süd-Bahn, um dann direkt rechts zum Weiler Berrenrath zu fahren. Dort geht es rechts bis zur B 264. Diese wird überquert und die Strecke verläuft über die private Kieswerkstraße wieder zur Nord-Süd-Bahn und mündet vor Frechen-Grefrath auf die L 277.

 

Durchs Neubaugebiet Grube Carl in Frechen

 

Wir wechseln die Straßenseite und fahren Richtung Frechen. Im Kreisverkehr geht es nach links zum Neubaugebiet Grube Carl, das auf dem Gelände einer ehemaligen Brikettfabrik entstanden ist. In der Siedlung halten wir uns zunächst links, dann geht es nach rechts, am Ende der Siedlung wieder links und den ersten Feldweg links. Wir erreichen über den Rosmarweg erneut die Nord-Süd-Bahn und folgen dieser hier wirklich wilden Strecke geradeaus. Am Ende biegen wir rechts, dann wieder nach links ab am Marienhof vorbei.

 

Von Kerpen nach Bergheim

 

Der Weg führt über die Autobahn 4 Köln – Aachen. Am Ende fahren wir nach links in den Habbelrather Weg, um schließlich ein kurzes Stück über die L 277 zu fahren und durch Neubottenbroich (Habbelrather Straße, Horremer Straße, Auf dem Postberg) bis zum Bahnhof Kerpen-Horrem zu gelangen. Vor dem Bahnhof fahren wir links in die Bahnhofsstaße, dann rechts durch die Unterführung in die Hauptstraße in Richtung Bergheim.

Wir folgen der Hauptstraße (L 163), später Fischbachstraße (B 55) bis Quadrath-Ichendorf und biegen nach links in die Sandstraße (K 11), dann nach rechts in die Frenser Straße ab. Wir sehen den Bahnhof linkerhand, unterqueren später die Bahntrasse der Regionalbahnlinie 38, der künftigen Villebahn, erneut und folgen der Köln-Aachener Straße (B 55) bis zum Ortsausgang und zum Martinswerk. Ein Abstecher von der Kölner Straße kurz vor dem Stadtteil Kenten (B 55) führt zu einem Aussichtspunkt auf den Tagebau Bergheim, der sich in der Rekultivierung befindet. Durch die Bergheimer City fahren wir bis zur kleinen Erft und folgen nun dem ausgeschilderten Erft-Radweg, der parallel zur Erft und zur Bahnlinie verläuft.

 

Letzte Etappe: Bergheim - Bedburg

 

Nachdem wir den Bergheimer Stadtteil Glesch hinter uns gelassen und die Bandstraße von RWE Power unterquert haben, fahren wir in Bedburg-Blerichen links in die Bruchstraße , folgen kurz der Kolpingsstraße (L 213) in Richtung Bergheim bis zur Unterführung, fahren durch diese hindurch und folgen der Bahntrasse auf der westlichen Seite über die Adolf-Silverberg-Straße bis zum Bahnhof Bedburg (Erft), dem Ende unserer Villebahn-Tour und Haltepunkt der Regionlabahn 38 nach Köln, Horrem und Neuss. Wer möchte, den lädt das Bedburger Schloss in der Stadtmitte noch zu einem Kurzbesuch ein.

 

Die Radwanderkarte Rhein-Erft-Kreis, 6. Auflage (2007) ist im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-89439-603-9 und über den Rhein-Erft Tourismus e.V.in Frechen für 9,60 € erhältlich.