Braunkohle: BoA und Tagebaue

Immer wieder gibt es Anlass dazu, sich mit der Braunkohlethematik auseinander zu setzten. Am 25.08.05 schreibt Norbert Kurth im Stadtanzeiger über die Hoffnung auf saubere Braunkohlekraftwerke. Hierzu der erste Beitrag. Danach meine Antwort auf Fragen über "kandidatenwatch":

 

In der heutigen Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers stellt der dafür zuständige Redakteur Norbert Kurth die RWE Power Planungen für ein sauberes Braunkohlenkraftwerk vor. Hierzu erklärt der GRÜNE Bundestagskandidat Bortlisz-Dickhoff:

 

"Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass auch RWE Power einsieht, dass allein der Handel mit den CO2-Emmissionszertifikaten die Dynamik erzeugt, die für eine weitere CO2-Reduzierung notwendig ist. Dieser im Kioto-Protokoll vorgesehene Weg ist durch EU-Vorgaben rechtlich verbindlich geworden und gegen den erbitterten Widerstand der Kreisverbände von CDU, SPD und FDP sowie von RWE Power durch die rot-grüne Bundesregierung umgesetzt worden.

Bewerkenswert ist weiterhin, dass von RWE Power zugegeben wird, dass die CO2-Minimierung frühestens in 20 Jahren greifen wird. Dann ist es zu spät. Wir brauchen in 20 Jahren ganz andere Ergebnisse bei der CO2-Reduzierung. Die sind - nach Lage der Dinge - nur durch die drei großen E erreichbar: Effizienzsteigerung, Einsparungen und Erneuerbare Energien.

Bemerkenswert ist schließlich auch, dass entgegen dem Getöse der Vertreter der Braunkohlelobby bei CDU, SPD und FDP, die vom CO2-freien Kohlekraftwerk erzählen, von RWE Power nunmehr zugegeben wird, dass es kein CO2-freies Kraftwerk geben wird, sondern allenfalls über eine Reduzierung der Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre gesprochen werden kann.

Das CO2 freie Kraftwerk kann es aufgrund einfacher physikalischer Grundgesetze nicht geben. Man will ja die in den fossilen Kohlenstoffen enthaltene Energie gewinnen. Dies geschieht durch die Verbrennung, also die Umwandlung von Kohlenstoff und atmosphärischem Sauerstoff in Kohlendioxid (CO2). Will man den Kohlenstoff wieder vom Sauerstoff trennen, muss man mehr Energie einsetzen, als man vorher durch die Verbrennung gewonnen hat. Alles andere wäre das perpetuum mobile, das auch von RWE Power nicht erfunden werden wird. Großmaßstäblich hat allein die Natur selbst über Jahrmillionen von Jahren durch die Fotosynthese die Trennung von Kohlenstoff und Sauerstoff mithilfe der Sonnenenergie hin bekommen. Die Biomasse konnte gelagert werden und wurde schließlich unter anderem auch zu Braunkohle.

RWE Power will also lediglich die Reduzierung der Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre. Ob sich der erhebliche energetische Aufwand dafür lohnt, steht noch in den Sternen und setzt - so RWE Power selbst - die Erhöhung des Wirkungsgrades von 43 Prozent wie bei der neuen BoA-Technik auf 50 Prozent und mehr voraus. Anschließend muss das verflüssigte CO2 dann noch so gelagert werden, dass es sicher nicht in die Atmospähre entweicht.

Man kann die Energiepolitik drehen und wenden wie man will. Es kommt am Ende immer wieder darauf hinaus, dass der fossile Kohlenstoff am besten da bleibt wo er ist, als Kohle oder Öl in der Erde. Alles, was zuviel an Kohlendioxid in der Atmosphäre ist, wird wieder über Pflanzen gebunden werden müssen.

Unsere Energieprobleme müssen wir dauerhaft durch direkte und indirekte Nutzung der Sonnenenergie lösen.

 

Nun die Frage aus Kandidatenwatch:

 

"Wie stehen Sie zu dem weiteren Ausbau der Kohlekraftwerke und der Ausreitzung des Tagebaus allgemein und insbesondere vor dem Hintergrund BoA."

Meine Antwort:

"Als GRÜNE haben wir es im Umgang mit der Braunkohle nicht einfach. Grundsätzlich ist sie wie alle fossilen Energien endlich und trägt zur Klimaproblematik bei. Da für GRÜNE Atomenergie keine Alternative ist und die regenerativen Energien technisch noch nicht so weit entwickelt sind, wie erforderlich, wird die Kohleverstromung unter bestimmten Bedinungen für eine Übergangsfrist von ein bis zwei Jahrzehnten akzeptiert.

GRÜNE treten hinsichtlich der Tagebaue für engere Abbaugrenzen ein. Hambach soll ohne Autobahnverlegung beendet werden. Garzweiler soll ebenfalls in engeren Grenzen ausgekohlt werden.

Für jedes neue Kraftwerk muss eine entsprechende Anzahl von Altanlagen vom Netz genommen werden. Wir sprechen uns auch gegen eine Galerie neue BoA -Blöcke von Niederaußem bis Neurath aus, wie vom Unternehmen geplant.

Anstelle der klimapolitisch dauerhaft unakzeptablen Kohle muss das Unternehmen und die Politik in der Region auf der Grundlage des Know-hows

der Mitarbeiter und der eingeführten Energietechniken den Ausbau der Nutzung regenerativer Energien vorantreiben. Hier ist nach wie vor im wesentlichen tabula rasa."