Liberale raus aus den Medaillenrängen

Die Zeit schreibt am 22.08.2004 unter dem Titel "Arme Liberale":

 

Ihr dritter Platz in der deutschen Parteienrangliste ist längst weg. Jetzt hat die FDP auch noch ihren Ehrentitel verloren. Nicht die Liberalen, die Grünen sind die Partei der Besserverdienenden. Das will der Parteienforscher Jürgen Falter herausgefunden haben: Über klägliche 1500 bis 1750 Euro monatlich verfüge der durchschnittliche Freidemokratenwähler, während es der rünenunterstützer locker auf 1750 bis 2000 Euro bringe. Dahin der Mythos vom liberalen Raffke, dem nur die Würde des eigenen Schweizer Nummernkontos als unantastbar gilt. Liberalism doesn?t pay.

In Wahrheit ist der echte Liberale ein interesseloser Überzeugungstäter. Hat nicht schon der berühmteste Manchester-Liberale des 19. Jahrhunderts, Richard Cobden, sein ganzes Vermögen für Kampagnen zur Durchsetzung des Freihandels verpulvert, um schließlich auf die Almosen seiner Anhänger angewiesen zu sein? Und Ludwig von Mises, Vordenker der neoliberalen Finanzpolitik, musste seiner Auserwählten vor der Hochzeit gestehen, er schreibe zwar viel über Geld, werde aber gewiss nie welches haben.

Das Recht der anderen, sich grenzenlos zu bereichern, verteidigt der Liberale aus reiner Liebe zum Ideal des freien Marktes. Die realen Möglichkeiten des Wirtschaftslebens nutzen indessen ausgefuchste grüne Antikapitalisten, um sich mit dem Bau von Windrädern und dem Anbau von Biomöhren eine goldene Nase zu verdienen. Tragische Szenarien zeichnen sich ab: Bald werden die ersten obdachlosen FDP-Anhänger in der Fußgängerzone um eine mildtätige Spende für ihre Initiative »Rettet den Kapitalismus« betteln gehen. Und Guido Westerwelle wird, nach Hartz IV, in den Ökogarten Jürgen Trittins zum Laubaufsammeln geschickt.