Schwebahn für das Phantasialand?

Manchmal kann man mit uralten Vorschlägen einen völlig neue Debatte anzetteln. Die FDP wirft mir nun vor, ich wäre "realitätsfern" und hätte keinen "wirtschaftlichen Sachverstand."

Der Hintergrund: Am 17. August 2004 brachte der Kölner-Stand-Anzeiger folgenden Artikel:

"Grüner: Bahn bis ins Phantasialand. Der Bürgermeisterkandidat der GRÜNEN will eine Brücke ins Phantasialand schlagen. Die GRÜNEN wollen das Phantasialand stärker mit der Innenstadt vernetzen. "Wir müssen den Park und sein Potenzial stärker in das Kulturmarketing der Stadt integrieren", fordert der grüne Bürgermeisterkandidat Johannes Bortlisz-Dickhoff. Die Innenstadt solle durch eine Einschienen- oder eine Hängebahn mit dem Park verbunden werden. Auch durch gemeinsame Veranstaltungen wir etwa Auftritte der Phantasialand-Revues im Schlosspark oder eine Präsenz der Phantasialand-Gestalten der Wuze in der Stadt solle in Anlehung an andere Konzepte wie etwa Disneyworld eine kulturelle Brücke geschlagen werden. Dabei plädiert er für einen erweiterten Kulturbegriff: "Kultur, das sind eben nicht nur Max-Ernst-Museum und Schlosskonzerte, sondern auch das, was im Park passiert." Zudem schlägt er den Bau eine Jugendgästehauses vor, um auch jüngere Gäste nach Brühl zu holen. Investor hierfür könnte das Phantasialand sein. Als Standort kann er sich das Gelände der Raiffeisengenossenschaft vorstellen, das bereits schon mal für einen Neubau des Jugendzentrums im Gespräch war. "Durch eine stärkere Verknüpfung mit der Innenstadt könnte eine Expansion des Parks in Richtung Natur- und Landschaftsschutz vermieden werden", erläutert Bortlisz-Dickhoff. Diese geplante Erweiterung wird von den GRÜNEN einhellig abgelehnt. Auch die Kontakte des Phantasialandes nach China will Bortlisz-Dickhoff für die Stadt fruchtbar machen. Der Park habe durch seine Beziehungen zu China, die sich etwa beim Bau des China-Hotels bewährt hätten, wertvolle Kontakte. Ziel solle sein, einen Investor für ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin in Brühl zu finden. Diese finde bei Patienten immer größeren Anklang. "Dafür gibt es in Brühl einen Markt." Bortlisz will seine Ideen als Diskussionsgrundlage verstanden wissen. Im Phantasialand nahm man den Vorstoß grundsätzlich positiv auf. "Für eine stärkere Einbindung in die Stadt sind wir offen", erklärte Sprecherin Birgit Reckersdrees. In diese Richtung habe es bereits Vorschläge des Parks an die Stadt gegeben, auf die die Ststadt bisher nicht eingegangen sei. Sie betonte, dass der Park schon jetzt in jeder Infopost Broschüren das Max-Ernst-Museum und die Schlösser verschicke, um Wochenendtouristen für Brühl zu gewinnen. Den Bau eines Jugendgästehauses im Zentrum sah sie jedoch als wenig sinnvoll an. Eine Ansiedlung in Parknähe biete sich hier eher an."

Soweit der Artikel von Frau Ringendahl, der eine Reaktion der FDP auslöste, über die der Kölner Stadt-Anzeiger am 24 August 2004 schreibt:

"Kritik an grünen Ideen für das Phantasialand. Die Freidemokraten werfen den GRÜNEN "Realitätsferne und wirtschaftlichen Unverstand" vor. Die FDP hat den Vorstoß der GRÜNEN für eine stärkere Vernetzung des Phantasialandes mit der Innenstadt als "scheinheilig" kritisiert. Urplötzlich entdeckten die GRÜNEN das Phantasialand als Kultur- und Wirtschaftsfaktor für Brühl, sagt der FDP-...kandidat Pitz. Tatsächlich ließen die GRÜNEN jedoch nichts unversucht, zusammen mit der grünen Umweltministerin Bärbel Höhn dem Phantasialand des Wasser abzugraben. So werde etwa jegliche Expansion des Parks in Richtung Natur- und Landschaftsschutzgebiet abgelehnt, obwohl der Park neue Flächen für neue Attraktionen zwingend benötige. Wer dem Park helfen wolle, müsse überlegen, wie diesem mehr Besucher zugeführt werden könnten, statt Vorschläge zu machen, wie die Stadt mehr Besucher zulasten des Parks erhalte. Der Bürgermeisterkandidat der GRÜNEN, Johannes Bortlisz-Dickhoff, hatte im Sinne einer stärkeren Vernetzung unter anderem eine Einschienenbahn oder ein Jugendgästehaus in der Stadt vorgeschlagen. Aus seiner Sicht könnte durch eine stärkere Verlagerung in die Innenstadt der Expansionsdruck des Parks gemildert werden. Der Vorschlag, ein Jugendgästehaus für das Phantasialand in der Stadt zu bauen, oder der Plan einer Einschienenbahn zeugten von "Realitätsferne und großem wirtschafltichen Unverstand". Wenn das Phantasialand keine neuen Attraktionen mehr bauen könne, werde auch niemand mehr dorthin mit der Bahn fahren."

Soweit der Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers.

In einer eigenen Stellungnahme am 25. August 2004 bedauert Bortlisz-Dickhoff, dass die FDP anstelle eigener Vorschläge lediglich mit rhetorischer Grobmotorik operiert. "Realitätsferne und wirtschaftlicher Unverstand" wurde den GRÜNEN allgemein und mir persönlich unterstellt. Dies ist an sich schon schwierig nachvollziehbar.

Das Phantasialand selbst beschwert sich ja gerade darüber, dass seine Angebote an die Stadt auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Integration von Phantasialandangeboten in die Stadt von dieser abgelehnt werden. Das ist doch eine Ohrfeige für eine Partei, die als Teil der aktuellen Ratsmehrheit diese punktuelle Nichtkooperation gemeinsam mit dem Bürgermeister zu verantworten hat. Da wird ein wichtiger Steuerzahlen und Arbeitgeber durch Herrn Pitz und seine FDP im Regen stehen gelassen.

Auch die Behauptung, ein Jugendgästehaus für die Stadt vorzuschlagen, sei wirtschaftlich unvernünftig, ist nicht nachvollziehbar. Die FDP selbst hat zusammen mit den anderen Parteien und dem Bürgermeister erklärt, dem Vorschlag des kleinen Theaters zu folgen, ein solches Jugendgästehaus im Bereich der ehemaligen Raiffeisengenossenschaft zu realisieren. Ich finde das in hohem Maße vernünftig und wirtschaftlich weitsichtig, dass an diesem Punkt die Herren Kreuzberg und Pitz meinem Vorschlag folgen. Ein Jugendgästehaus ist für die Frage, ob Junge Leute aus aller Welt für Brühl zu begeistern sind, von erheblicher – auch wirtschaftlicher – Bedeutung.

Ob das Phantasialand wirklich nichts davon hat, dieses Gästehaus in der Stadt zu realisieren, müssen die Diskussionen zeigen. Wenn es zu einer Vernetzung der Angebote von Stadt, Max-Ernst-Museum, Schlössern und u.a. auch dem Phantasialand käme, wäre der Standort möglicherweise auch für das Phantasialand nachvollziehbar.

Völlig daneben ist auch die Ablehnung der Einschienenbahn. Gerade diese könnte für das Phantasialand ein großer Gewinn sein, wenn sie als eigene Attraktion gestaltet wird und Parkplätze an anderer Stelle erschließt, beispielsweise auf dem heutigen Autobahnparkplatz "Am alten Hau". Dadurch würden Flächen im bereits heute vom Phantasialand genutzten Areal frei. Bei entsprechender Organisation eines wirksamen Schallschutzes und einer entsprechenden Einhausung der Anlagen könnte ihre Nutzung möglicherweise auch die Zustimmung der Anlieger des Phantasialandes finden. Es würde darüberhinaus auch eine menschenwürdige Anreise für die Phantasialandbesucher geschaffen, die ökologisch vernünftig mit der Bahn anreisen. Wer die Sardinenbüchsensituation in den Bussen und die Unzumutbarkeiten der Umsteigesituation am Bundesbahnhof studiert, kann dies nicht für zwingend unwirtschaftlich halten. Das Phantasialand selbst hat eine entsprechende Verbindung schon vor Jahren angeregt. Es ist keine wirtschaftliche Frage, sondern eine des Planungsrechts. Mir ist es lieber, mit einer Ausnahmegenehmigung ein Parkhaus auf einen Autobahnrastplatz und eine Hängebahn neben eine Autobahn zu bauen, als eine Expansion ins Naturschutzgebiet Kottenforst-Ville zu akzeptieren.