Stadtbus Brühl – lustige Verpackung für dürftigen Inhalt

Die Gestaltung der Haltestellen, die Fahrpläne, inzwischen sogar ein Bus im "Stadtbus Brühl – Design": das moderne Erscheinungsbild des Brühler Stadtbusses zeigt: hier wird sich um Kundennähe und ein attraktives Angebot bemüht. Allein es bleibt oft bei den Bemühungen, denn mehr Geld will die bürgerliche Mehrheit aus CDU, FDP und BVB für den Stadtbus nicht ausgeben.

Ein Beispiel: Für Mehrkosten von weniger als 20.000 Euro im Jahr wäre es möglich gewesen, den jetzigen Stundentakt der Busse in den Brühler Süden durch einen 30-Min-Takt zu ersetzen. Der Brühler Süden wächst, mehrere Neubaugebiete sind dazugekommen, die Infrastrukturausstattung ist dürftig, die Anbindung an den Bus mit einem Stundentakt und die Anbindung an die Bahn mit weiten Wegen indiskutabel.

Selbst diese Minimalverbesserung - wer könnte bei einem Stundentakt noch von Mindestausstattung reden - war zuviel. Man könnte fast schon froh sein, wenn wenigstens der Halbstundentakt tagsüber funktionieren würde.

Während unter rot-grün zwischen 1994 und 1999 die Grundlage für das Stadtbussystem geschaffen wurde, ist seither nicht mehr viel passiert. Für eine Stadt, deren Bürgermeister nicht müde wird, sich auch als Weltmeister der Nachhaltigkeit zu inszenieren, ist dies eindeutig zu wenig.

Der öffentliche Nahverkehr ist und bleibt als Teil der notwendigen Daseinsvorsorge eine herausragende Aufgabe. Dies vor allem deshalb, weil ungefähr die Hälfte der Brühlerinnen und Brühler nicht dauernd über ein Auto verfügt. Diese Bürger ersparen der Stadt die Kosten, die mit einer noch größeren Zahl von Autos verbunden wären. Stellplätze, Straßenneubau, Unterhaltungskosten. Für die Mobilität dieser Mitbürgerinnen und Mitbürger brauchen wir gute Radwege mit sicheren Fahrrad-Abstellmöglichkeiten und vor allem ein funktionsfähiges öffentliches Nahverkehrssystem mit DB-Nahverkehr, Stadtbahn, Regionalbussen und einem Stadtbus-System.

Ein Stadtbus, der den Namen verdient, kann aber noch mehr, wie verschiedene Beispiele zeigen. Er mausert sich zur Konkurrenz zum Nahverkehrsauto – mehr als die Hälfte aller Pkw-Fahrten sind kürzer als 5 km – und bemüht sich in einer Qualitätsoffensive um die, die ansonsten mit dem Auto in die Innenstadt oder zum Park&Ride-Platz fahren.

Das muss der Bus leisten, wenn wirklich gewollt wird, dass wir uns umweltfreundlich bewegen und den Kollaps des Straßensystems zeitlich nach hinten verschieben.

Ein solches Stadtbus-System muss rund um die Uhr verfügbar sein, wie das Auto. Das heißt in den Hauptverkehrszeiten (tagsüber 7 Uhr bis 19 Uhr) in einem 15-Min-Takt, möglicherweise auch 20-Minuten-Takt zu festen und unverrückbaren Zeiten, in Nebenverkehrszeiten (5 bis 7 Uhr und19 bis 22 Uhr) in einem 30 Minuten Takt, in den Schwachlastzeiten (22 bis 1 Uhr) durch einen Linientaxi-Betrieb stündlich, nachts zwischen 1 und 5 Uhr als Anrufsammeltaxi. Alles andere ist kein Anreiz dafür, sich auf den Bus zu verlassen.

Ein solches Stadtbus-System muss Fahrzeuge bieten, die eine gewisse Qualität haben. Sie müssen modern, sauber und mit ausreichenden Sitzplätzen angeboten werden. In ihnen müssen Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder sicher abgestellt werden können. Sie sollten umweltfreundlich mit Gas betrieben werden. In ihnen sollte darauf geachtet werden, dass sich die Leute wie in Mitteleuropa ansonsten üblich, benehmen. Das Ein- und Aussteigen aus den Bussen darf kein Hindernislauf sein, sondern muss stufenlos erfolgen.

Ein ernsthaftes Stadtbussystem braucht eine zentrale und überdachte Umsteige-Haltestelle, die einen schnellen Umstieg zwischen den Stadtbussen selbst und der Stadtbahn zu einem festen Rendezvous - Zeitpunkt ermöglicht. An einer solchen Haltestelle sind alle anderen Richtungen erreichbar. Es gibt hier das Kundencenter. Es gibt hier ein Kaffee und Außengastronomie. Es findet hier Leben statt. Wir müssen daher hier den Platz in Brühl-Mitte entsprechend gut gestalten.

Das Management eines tatsächlichen Stadtbussystems ist in der Lage, flexibel auf Kundenwünsche einzugehen. Neben dem normalen Linienbetrieb könnten zum Beispiel auch Busse für eine Disco-Veranstaltung des Jugendgemeinderates zur Verfügung gestellt werden. Freitags und Samstags nachts müssten auch nach 1 Uhr junge Leute ein selbstverständliches Angebot haben, noch ins Vorgebirge zu kommen. Das Management des Stadtbusses muss in das Tourismus- und Kulturmanagement der Stadt einbezogen werden. Der Brühler Stadtbus ist das Markenzeichen der Kulturstadt Brühl für seine Bürgerinnen und Bürger und für die Besucher.

Das Stadtbussystem braucht natürlich auch eine klare, eindeutige und merkmare Streckenführung und eine Identifizierungsmöglichkeit für die Stadtteilbewohner. Dafür steht eine eindeutige Liniennummer für jeden Ast des Systems. Der Clou meines Vorschlages: Der Rendezvous – Punkt ist Brühl – Mitte. Die Linien beginnen aber alle an der Haltestelle Mühlenstraße als der zentralen innerstädtischen Haltestelle. Bei einem Busumlauf auf verschiedenen Linien erfolgt die Ausweisung der anderen Liniennummer vor der Haltestelle Mühlenstraße.

Die Linie 701 soll aber – so mein Vorschlag – als reine Innenstadtlinie mit sehr kleinen Fahrzeugen in einem dichten Takt die beiden Brühler Bundesbahnhöfe (Schloss und Kierberg), die Stadtbahn und den Stadtbus in Brühl-Mitte unmittelbar an der Fußgängerzone entlang miteinander verbinden und dabei auch Haltestellen an den Parkhäusern vorsehen. Der Linienverlauf könnte so aussehen: (Fahrtrichtung Kierberg-Bahnhof über Mitte) Mühlenstraße (Steinweg), Mitte, Nord, Kierberg, Kierberg-Bahnhof, (Fahrtrichtung: Brühl-Bahnhof (Schloss) über Mitte), Kierberg, Nord, Mitte, Giesler, Mühlenstraße, Bleiche (Elektropoller auf der Bleiche für Busse schaltbar), Wallstraße, Synagoge, Max-Ernst-Museum, Brühl-Bahnhof (Fahrtrichtung Kierberg-Bahnhof über Mitte), Max-Ernst-Museum, An der Synagoge, Bleiche, Mühlenstraße (Steinweg), ....

Der folgende Vorschlag für die anderen Linien sieht generell vor, dass die Linien mit Linien- und Zielbezeichnung in der Haltestelle Mühlenstraße als der wichtigsten innerstädtischen Haltestelle beginnen und sich aber alle zum Rendesvouz in Brühl Mitte treffen. Das neue Giesler-Gelände wird ebenfalls von allen Linien erreicht:

Linie 702 "Stadtwerke": Mühlenstraße – Mitte – Engeldorfer Straße – Mitte (Ausstieg) - Giesler - Mühlenstraße (wie bisher 706).

Linie 703 "Zuckerfabrik": Mühlenstraße – Mitte – An der alten Zuckerfabrik – Mitte (Ausstieg) - Giesler - Mühlenstraße (wie bisher 702).

Linie 704 "Eckdorf": Mühlenstraße – Mitte – Giesler - Bonnstraße – Eckdorf – Mühlenstraße (wie bisher 706).

Linie 705 "Badorf": Mühlenstraße – Mitte – Giesler - Bonnstraße– Badorf – Mühlenstraße (wie bisher 707).

Linie 706 "Brühl-West": Mühlenstraße – Mitte – Giesler - West – Mühlenstraße (wie bisher 704).

Linie 707 "Heide": Mühlenstraße – Mitte – Giesler - Heide – Mühlenstraße (wie bisher 702).

Linie 708 "Vochem": Mühlenstraße – Mitte – Vochem – Mitte (Ausstieg) - Giesler - Mühlenstraße (wie bisher 704, Anbindung Kierberg-Bahnhof möglicherweise nur über 701)

Linie 709 "Phantasialand" (Sonderverkehr) Brühl-Bahnhof – Mitte – Phantasialand (wie bisher 705)

Zur Ergänzung: Die Regionalbuslinien Brühl – Weilerswist, Brühl – Meschenich – Kalscheuren und Erftstadt – Brühl – Wesseling sollen natürlich weiter fahren und in des Rendezvous einbezogen werden. Die Linie nach Kalscheuren müsste natürlich eine Regionalbusnummer erhalten (bisher 701).