Kreisverkehre – eine runde Sache

Kreisverkehre können eine große Erleichterung für viele Verkehrsteilnehmer bringen. Autofahrer profitieren davon, dass sie nicht mehr an roten Ampeln stehen müssen und in aller Regel sehr zügig in den Kreisverkehr einfahren können. Fußgängerinnen und Fußgänger erhalten mit den Zebrastreifen und den Verkehrsinseln in den Fahrbahnteilern sichere und schnelle Querungshilfen. Die Anwohner profitieren davon, dass der Verkehrsfluss verstetigt wird und insgesamt langsamer gefahren wird.

Auch in Brühl wurden in den letzten zehn Jahren immer häufiger Kreisverkehre angelegt. Neben dem Kreisverkehr am Stern und dem Kölnstraße-Kreisel kamen hinzu der Kreisverkehr Bergerstraße - Zuckerfabrik, K 7 - Bonnstraße, Sommersberg – Stiftstraße, Alte Bonnstraße – Berliner Ring, An der Synagoge und am Eisenwerk. Fraktionsübergreifend wurden und werden diese Kreisverkehre unterstützt. Das hat gute Gründe:

In aller Regel hat ein Kreisverkehr eine höhere Verkehrssicherheit als andere Kreuzungsarten (weniger Konfliktpunkte, ein geringeres Geschwindigkeitsniveau, einfache Vorrangregelungen und gute Sichtbeziehungen). Auch für Fußgängerinnen und Fußgänger oder Radfahrerinnen und Radfahrer sind die Begegnungen mit den Kraftfahrzeugen gut überschaubar. Kreisverkehre sind in der Regel deutlich leistungsfähiger als Ampelkreuzungen. Das heißt, dass sie mehr Fahrzeugbewegungen zulassen. Kreisverkehre verstetigen den Verkehrsfluss, was in der Folge zu einer höheren Leistungsfähigkeit der Straße. Obwohl die Höchstgeschwindigkeiten sinken, dauert die Fahrt nicht länger, weil die Standzeiten an den Ampeln entfallen. Kreisverkehre brauchen bis zu 30 Prozent weniger Flächenversiegelung als andere Kreuzungsformen. Kreisverkehre sind zumindest auf Dauer billiger als Ampelkreuzungen. Durch die Verbesserung der Verkehrssicherheit und die Reduzierung der Geschwindigkeit sinkt die Zahl der Unfälle und die Unfallschwere: volkswirtschaftlich haben sie damit deutlich positive Wirkungen. Kreisverkehre können die städtebauliche Qualität von Kreuzungen verbessern. Sie haben damit eine hohe Akzeptanz bei allen Verkehrsteilnehmern, insbesondere auch bei den Fußgängerinnen und Fußgängern, die mit den integrierten Zebrastreifen und Mittelinseln in den "Armen" des Kreisverkehres erheblich schneller über die Straße kommen, als wenn sie vier Minuten rot sehen.

Kölnstraße – Akzeptiert nach großer Skepsis

Mit der Einrichtung des Kölnstraßenkreisels gab es zunächst viele Ängste bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des "Wetterstein", ob sie denn ohne Ampel noch sicher über die Straße kommen. Heute sind sie voll des Lobes: zum einen über die sichere Querungsmöglichkeit im Kreisverkehr, zum anderen über die Autofahrer, die in aller Regel sehr freundlich und zuvorkommend seien. Dies ist eine Folge der direkten Sichtbeziehungen zwischen den Kraftfahrzeugen und den Fußgängerinnen und Fußgängern bei deutlich verringerten Geschwindigkeiten im Kreuzungsbereich.

An der Synagoge – schief und krumm, aber keinen störts

Die vorhin genannten Kreisverkehre waren aber nicht alle unumstritten. Dies gilt ganz besonders für den Kreisverkehr An der Synagoge. Wer sich erinnert wird wissen, dass hier eine der Horror-Ampelkreuzungen von Brühl war. Die Fußgänger mussten wegen der komplizierten Ampelschaltung über 3 Minuten auf Grün warten. Gerade für die Schülerinnen und Schüler der St. Franziskus-Grundschule eine echte Zumutung. Obwohl grundsätzlich die Forderung nach einem Kreisverkehr von allen Fraktionen aufgestellt wurde, bremsten die Fachleute in den Verwaltungen. Der Grund lag hier darin, dass die Kreuzung so eng war, dass kein ausreichend großer Kreisverkehr möglich schien. Immerhin handelt es sich bei dem Straßenzug Heinrich-Esser-Straße und Konrad-Adenauer-Straße um die Landstraße 184. Meine Idee war nun, den Kreuzungsmittelpunkt in Richtung der Ecke zu verschieben, die als einzige nicht bebaut war, und in Kauf zu nehmen, dass der Mittelpunkt des Kreisverkehrs nicht im bisherigen Kreuzungsmittelpunkt liegen würde. Nach mehreren Jahren mehr oder weniger Zähen Bohren im Fachausschuss und gegenüber den Fachverwaltungen sind dann vor der letzten Kommunalwahl die Widerstände gesunken. Dies liegt unter anderem auch am Leiter der zuständigen Straßenbaubehörde des Landes, Herrn Nikolaus, der als Kreiselpapst gerne mal was außergewöhnliches ausprobiert. Heute wissen wir. Der Bau war richtig und der Kreisverkehr funktioniert hervorragend. Die Staus sind fast völlig weg, die Kinder kommen sicher über die Straße, die Radfahrerinnen und Radfahrer kommen klar, und auch die Anlieger der Gartenstraße haben sich daran gewöhnt, dass sie nur noch aus einer Richtung in die Gartenstraße fahren dürfen. Dass die üblichen Verdächtigen – Taxifahrer und Paketdienste – sich hier illegal verhalten, kann toleriert werden. Wünschenswert wäre noch immer, die Rad-Schutzstreifen auf der Heinrich-Esser-Straße zu vervollständigen. Hier wird noch immer von Erwachsenen auf dem Gehweg und gegen die Fahrtrichtung geradelt. Das muss nicht sein.

Eisenwerk

Obwohl der zweistreifige Kreisverkehr am Eisenwerk sehr gut funktioniert und als Beleg dafür dienen kann, dass auch größere Verkehrsmengen gut mit einem Kreisverkehr klar kommen, sind hier ärgerliche Fehler gemacht worden. Für die Autofahrer gibt es zwei Ärgernisse. Sie kommen aus der Tankstelle nicht mehr zurück, sondern nur noch Richtung Köln und Godorfer Zubringer – L 150 - und sie kommen nicht mehr aus der Hamburger Straße nach links Richtung Eisenwerk, weil der Verkehr nicht mehr durch die Ampeln zerhackt wird. Die Lösung ist aber mit dem Bau eines weiteren Kreisverkehrs Kölnstraße – L 150 und den Bau einer nördlichen Erschließungsstraße in das Gewerbegebiet Nord II in Sicht. Ärgerlicher ist aber die Situation für die Radfahrerinnen und Radfahrer. Wer hier Richtung Köln will oder aus Richtung Köln kommt, muss die viel befahrenen Straßen viel zu oft überqueren. Notwendig wäre gewesen, den Radweg aus Richtung Köln bis zum Kreisverkehr zu verlängern und insgesamt um den Kreisverkehr zu führen. Ob dieser Radweg tatsächlich gebaut wird, wird auch daran liegen, wie weit hier der Druck auf die Mehrheiten und die Planer aufrecht erhalten werden kann.

Weitere Kreisverkehre auf der alten Bonnstraße kommen

Der Kreuzungsbereich Alte Bonnstraße – Otto-Wels-Straße wird – so sieht es die mittelfristige Planung des Kreises vor, zu einem Kreisverkehr umgebaut. Dies ist zur Entschärfung der Situation des "Kinder-Bring-und-Hol-Dienstes" notwendig. Die Kinder sollen ausnahmslos, wenn sie schon gebracht werden, auf der Seite der K 7 aussteigen, die der Schule zugewandt ist. Dafür werden mit dem Kreisverkehr Wendemöglichkeiten geschaffen. Es wird auch zur Entschärfung der Kreuzung beitragen, auf der zu Stoßzeiten für Linksabbieger in die alte Bonnstraße schon mal mehrere Minuten auf die freie Lücke gewartet werden muss. Ebenso unstrittig ist der durch den Investor des Bebauungsgebiet Geildorfer Straße zu zahlende Kreisverkehr Alte Bonnstraße – Geildorfer Straße – Steingasse. Übrigens: das alternierende Parken auf der Steingasse geht auf den von mir verfassten Antrag der Grünen zurück und führt zu dem gewünschten Ergebnis einer wirksamen Bremse für die Raser.

Römerstraße, Bergerstraße, viele verpasste Chancen

Weitere Kreuzungen in Brühl harren einer vernünftigen Lösung, die in den meisten Fällen darin besteht, langsame und unflexible Ampelkreuzungen durch Kreisverkehre zu ersetzen. Die strategisch wichtigste Kreuzung ist die zwischen L 184 und L 183. Hier macht die Verkehrsplanung infolge der Giesler-Galerie nach Auffassung des Gutachters einen Kreisverkehr dauerhaft unmöglich. Auch dies ist ein Grund dafür, die Giesler-Galerie zu verhindern. Sie hindert uns an vielen Stellen an guten Lösungen für Brühl.

Siehe auch die eigenen Beiträge

Römerstraße: Eine Perlenkette wert

Bergerstraße: Bürgerliche Mehrheit für Durchgangsverkehr zulasten der Anwohner



Max und Ernst entdecken einen Kreisverkehr