Museum Max Ernst

Schriflticher Beitrag von Johannes Bortlisz-Dickhoff zur Debatte um das Max-Ernst-Museum im Rahmen der Mitgliederversammlung der Brühler Grünen am 5. September 2002

Die Brühler Innenstadt droht zweifelsohne durch eine völlig inkonsistente Planungshuddelei und dem fehlenden Willen zu einer gemeinsamen Stadtentwicklungspolitik der relevanten Akteure zu zerfleddern. Am Horizont winkt die Vorstellung eines Geisterdorfers, in dem die Sherrifs der "Achtet auf Brühl"-Aktion die leeren Schaufenster vor Graffitis und Dreckansammlungen schützen.

Die Wege vom Köln-Straßen-Kreisel bis zum Giessler-Gelände oder Balthasar-Neumann-Platz sind einfach zu lang, um als zentrale Innenstadt wahrgenommen und mit Leben gefüllt werden zu können. Dafür ist Brühl insgesamt zu klein.

Um nicht nur zu jammern, sondern nach vorne zu denken, müssen die anstehenden Entscheidungen im Hinblick auf die Ausgangsthese: Brühl droht sich zum Dorf zu verdünnen, geprüft werden.

Meines Erachtens helfen nur klare Akzentsetzungen mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

Da die Innenstadt mit überzogenen Ladenmietpreisen jedem angemessen Einzelhandelsmix den Garaus macht, finde ich einen "Mini-Hürth-Park" auf dem Giessler-Gelände richtig. Dort muss ein Bekleidungshaus, ein größerer Supermarkt und meinetwegen auch so etwas wie ein Gesundheitszentrum entstehen. Es muss dort aber auch gewohnt werden und eine Outdoorgastronomie um das Giessler-Gebäude stattfinden. Damit wird Kaufkraft an diesem südlichen Ende der Innenstadt gebunden, was zwangsläufig zu besonderen Gefahren für das nördliche Ende führt. Oder kurz gesagt: die Innenstadt wird sich nach Süden verlagern und im Süden vom Giessler-Gelände und im Norden vom Markt begrenzt. Damit ist meines Erachtens das Bermuda-Dreieck auch richtig angesiedelt. Am nördlichen Ende der Innenstadt.

Die Kölnstraße wird in diesem Prozess verlieren. Es sei denn, es gibt insgesamt andere Nutzungsvorstellungen für das Gebiet vom Markt bis zum Kölnstraßenkreisel, von der Wallstraße bis zum Schloss, Bahnhof und Museum.

Die Bausubstanz der Kölnstraße aber auch der Kempishofstraße lädt dazu ein, hier den Versuch zu machen, kaufkräftiges Publikum als Besucher von Schloss und Museum länger zu halten und diesen etwas zu bieten.

Meine These: Dieser Bereich geht insgesamt den Bach runter, oder er wird für eine straighte touristische Nutzung erschlossen.

Wenn Kaufkraft gehalten werden soll, dann muss es zwingend eine Verlagerung des Parksuchverkehrs geben. Der Belvedere darf nicht als Parkplatz erhalten bleiben. Stattdessen ist der Park&Ride-Verkehr durch eine zweite Parkpalette auf dem Bundesbahnparkplatz zu binden. Das Parkhaus Wickegelände muss zwingend gebaut werden. Auch die Bewohner des Wettersteins haben kaufkräftige Kinder und Enkel!

Zentral ist aber, dass auf dem Belvedere ein Kultur- und Kongresshotel entsteht, das unter anderem auch mit der privatrechtlichen (!) Bewirtschaftung des von der CDU gegen besseren Wissens durchgesetzten Veranstaltungsraumes im Max-Ernst-Museum zuständig werden muss. Am besten würden die Hotelbetreiber gemeinsam mit einer speziellen Marketinggesellschaft auch noch für die logistische Rahmengestaltung der schlossbezogenen Events zuständig. So etwas kann eine öffentliche Verwaltung nicht. Finger weg!

Im Umfeld einer konsequent marktwirtschaftlichen Schlossnutzung, eines international zu platzierenden Max-Ernst-Museums und eines ambitionierten Kultur- und Kongresshotels ist denkbar, dass sich auf dieser Basis eine attraktive Landschaft von hochwertigem Einzelhandel (Buchhandel, Schmuck und Design, Kunstgewerbe, Galerien, ...) und Gastronomie entwickelt.

Das Max-Ernst-Museum ist neben dem Schloss der Schlüssel, um an einem nationalen und internationalen Markt von kunstinteressiertem Publikum partizipieren zu können.

Mit 30.000 Besuchern könnte sich das Museum als staatliche oder städtische, jedenfalls öffentliche Institution rechnen. Alles andere, insbesondere auch der Tagungsbetrieb eines Museums oder die Nutzung des Veranstaltungssaales, muss in eine Brühl-Vermarktungsstrategie eingebaut sein, die konsequent marktwirtschaftlich organisiert wird. Alles andere gibt Gehuddel.

Zusammenfassend meine Meinung:

Kein Museum ist kein Riskio: die nördliche Innenstadt überlebt das Giessler-Gelände nicht, sondern diffundiert zum Dorf.

Ein Max-Ernst-Museum ist ein Risiko, es kann schief gehen.

Ein Max-Ernst-Museum geht schief, wenn es durch städtische Bedienstete betrieben wird und ohne Umfeldentwicklung isoliert im Raume steht.

Ein Max-Ernst-Museum geht nicht schief, wenn es eingebaut wird in einen konsequenten privatwirtschafltichen Vermarktungsrahmen.

Also: Klotzen, nicht kleckern.



Max Ernst Museum und das Lehrerkollegium der Schule für Tatschläger