Kindergartenpflicht!

Das staatliche Schulsystem in den nicht von der CDU regierten Bundesländern ist die Katatrophe, Bayern ist das Vorbild. So der übliche Umgang mit den Ergebnissen der PISA-Studie. Verkannt wird, dass die Misere tiefer geht. Auch Bayern ist mit nur 18 Prozent Abiturienten nur im Mittelfeld des internationalen Vergleichs. Es mangelt im Deutschen Schulsystem vor allem daran, dass wir mit zwei Problemen nicht zurecht kommen. Die Kinder “mit Mitgrationshinter-grund” – auch die aus Osteuropa mit deutschen Vorfahren – können sich in erheblichem Umfang nicht in der deutschen Sprache verständigen. Damit sind die Schulprobleme vorprogrammiert. Förderkurse während der Grundschulzeit setzen zu spät an, die Defizite werden über die Schuljahre mitgeschleppt. Die Kinder “mit schwierigem sozialen Hintergrund” bekommen keine effektive Hilfe und entwickeln ihre Auffälligkeiten in der Schule. Sie stören sich und andere und überlasten damit das Schulsystem, egal wie es im einzelnen organisiert ist. Meines Erachtens ist es für beide Problemkreise notwendig, deutlich früher zu handeln. Ich schlage vor, ernsthaft über eine Kindergartenpflicht nachzudenken. Der Kindergarten müsste dann zumindest halbtags für die Eltern beitragsfrei bleiben. Dieser Kindergarten braucht einen eigenen Bildungsauftrag. Der Auftrag ist, dass mit dem Übergang zur Grundschule die Kinder – neben ihrer “Muttersprache” – auch deutsch sprechen und verstehen können müssen. Der zweite Auftrag ist, in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe die vielfältigen sozialen Probleme der Kinder zu erkennen und effektive Hilfeangebote zu organisieren. Für die Sprachbildung brauchen wir natürlich ein angemessen ausgebildetes Personal, dass auch bereit sein muss, beispielsweise Deutschkurse für Mitgrantinnen über den Kindergarten zu organisieren, weil es auch darauf ankommt, dass sich die Kinder in ihrer Familie auf deutsch verständigen können. Das hat auch nichts mit Assimilationszwang in eine deutsche Leitkultur zu tun. Schulbildung ist schlicht nicht möglich, ohne sich in der Umgangssprache verständigen zu können, und die ist hierzulande deutsch. Die Forderung an den Kindergarten zu stellen, ist auch deswegen richtig, weil im Alter zwischen 3 und 6 Spracherwerb deutlich leichter fällt, als später. Die soziale und psychische Vernachlässigung von Kindern ist durch den konservativen Hinweis auf die Notwendigkeit einer funktionierenden Familie nicht zu lösen. Die Familie entspricht heute immer weniger dem konservativen Leitbild der dauerhaft zusammenlebenden Gruppe aus Familienernäher, hauswirtschaftender Mutter und ihren leiblichen Kindern. Alleinerziehende, Patsch-work-Familien, materielle Armut, weil Unterhaltspflichtige nicht zahlen, Ganztagsarbeit der Eltern, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen; Stichworte, die auf die eigentliche Normalität des Großwerdens heute verweisen. Kinder können nicht ohne weiteres mit jeder Situation klar kommen und können darüber krank oder auffällig werden. Hier hat der Staat die Verpflichtung zur Hilfe. Um die Probleme zu erkennen, müssen die Auffälligkeiten im Kindergarten zu Kenntnis genommen werden. Auch hier bräuchte es Fachmenschen, die zusammen mit der Jugendhilfe Maßnahmen für das Wohl der Kinder organisiert. Wenn anschließend der Übergang vom Kindergarten in die Schule noch etwas flexibler gestaltet werden könnte (Vorschule), so dass tatsächlich erst dann ins 1. Schuljahr gestartet wird, wenn die soziale und sprachliche Schulfähigkeit vorhanden ist, kann eine sechsjähige Grundschule mit Binnendifferenzierung und Förderunterricht, mit Projektorientierung und Elterntrainings, mit offenen Nachmittagsangeboten durch Sportvereine, Musikschulen oder andere, mit Übermittagsbetreuung und Ganztagsangebot die Kinder handlungs-und sprachfähig, sozial kompetent, wissbegierig und neugierig an die weiterführende Schule übergeben. Der lähmende und ideologische Grundsatzstreit über das Thema: “Dreigliedriges Schulsystem oder Gesamtschule” könnte dann etwas gelassener angegangen werden, denn das Wichtigste würde die Grundschule leisten können. Dieser Streit muss aber bundesweit verbindlich gelöst werden. Hier sollte der Blick in die Länder gerichtet werden, die bei PISA erfolgreich abschneiden. Finnland beispielsweise hat kein dreigliedriges Schulsystem und ist dennoch Spitze. Die Kommune kann vor allem im Kindergartenbereich noch mehr leisten, als sie es bisher tut. In Brühl gibt es genügend Kindergartenplätze, dank der Vorarbeiten von rot-grün und der Übernahme dieser Politik durch die aktuelle Mehrheit. Sprachtrainings und Bearbeiten sozialer Auffälligkeiten wären ergänzende Leistungen. Die werden zwar teuer, noch teurer wird allerdings, die vielfältigen Begabungen aller Kinder, die bei uns leben, nicht bestmöglich zu fördern. Kinder sind das Kapital der Gesellschaft, das nicht vernachlässigt werden darf.