Gutes Leben mit Freizeitpark unvereinbar

Die Bürgerinitiative BOVIVO fragte dezidiert nach Positionen zur Phantasialandausdehnung. Ich schrieb am 13.07.2009:

BOVIVO e.V.

50321 Brühl

 

Ihr Schreiben vom 07.07.2009

Fragenkatalog zur Kommunalwahl am 30.08.2009

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

vielen Dank für Ihr Engagement und Ihr Schreiben. Selbstverständlich kenne ich Ihre Aktivitäten und weiß Ihr Engagement für den Umwelt- und Landschaftsschutz im Brühler Süden zu würdigen.

 

BOVIVO und die Initiative 50 Tausend Bäume sind die wichtigsten Gegner einer ungehemmten Ausdehnung des Phantasialands.

 

Sie wissen, dass Sie sich dabei auf eine konsequente Politik von Bündnis 90 / Die Grünen - kurz GRÜNE - verlassen können, ob im Stadtrat, im Kreistag, im Regionalrat, im Land- oder Bundestag. Als Partei können wir auf den unterschiedlichen politischen Ebenen im Sinne der Sache, der Umwelt und der Menschen konsequente und integrierte Lösungsperspektiven verfolgen.

 

Die GRÜNEN sind damit hinreichend zu unterscheiden von anderen Parteien, die spätestens ab Kreisebene alle eigentlich für den Ausbau des Phantasialands sind, nur vielleicht zu Wahlkampfzeiten nicht. Die GRÜNEN sind damit aber auch hinreichend zu unterscheiden von den Freien Wählervereinigungen, deren oberster Grundsatz, Bürgerwünschen dienstbar zu sein, zu oft skurrilen Verrenkungen und Positionsrevisionen führt, denn der Bürgerwille umfasst den Wunsch nach Ruhe und nach Abenteuer, ob im Phantasialand oder auf der Autobahn.

 

Dass unser integrierter Politikansatz über die unterschiedlichen Ebenen funktioniert, ist gerade am Beispiel Phantasialand erkennbar. So sind wir im Brühler Stadtrat engagiert in der Sache und versuchen aus der Minderheitensituation heraus für eine Abwägung der Interessen einzutreten, die eben nicht zulasten der Nachbarn des Phantasialandes und zu Lasten der Natur geht. Hier ist insbesondere meine Ratskollegin Agnes Niclasen zu nennen, die im Planungsausschuss aber auch bereits im Mediationsverfahren die kritischen Punkte immer wieder anspricht. Im Kreistag setzen wir uns, im wesentlichen auch durch meine Person, mit der zustimmenden Positionierung der anderen Fraktionen und auch mit den Gutachten des Phantasialandes kritisch auseinander (mehr auf www.gruene-rek.de/kreistagsfraktion). Im Regionalrat versuchen der Hürther Horst Lambertz und seine Fraktionskollegen - wie Sie sicher der Presseberichterstattung entnommen haben - die Planänderung zur Erweiterung um 30 ha zu verhindern. Die Landtagsfraktion und die Bundestagsfraktion waren mit Oliver Keymis, Bärbel Höhn und Undine von Plottnitz an den Aktionen gegen die Phantasialanderweiterung in den Ville beteiligt.

 

Zur Kommunalwahl 2009 haben wir uns sowohl im Wahlprogramm der GRÜNEN im Rhein-Erft-Kreis also auch im Programm und in einem speziellen Themenflyer zum Phantasialand eindeutig und kritisch gegenüber den Expansionsplänen des Phantasialandes positioniert.

 

 

Zur Sache selbst:

 

Lange nachdem der Braunkohlentagebau Brühl verlassen hatte, haben zwei Schausteller bei der Stadt Brühl nachgefragt, ob sie in einer ehemaligen Kohlegrube einen Märchenwald errichten dürfen. Der muss etwa so anheimelnd gewesen sein wie der in Altenberg. Das Geschäft lief ganz gut, aber damit die Besucherinnen und Besucher auch öfter kommen, mussten immer wieder neue Attraktionen her. So entstand über die Jahrzehnte das, was die eigene Werbung als „besten Freizeitpark Deutschlands“ anpreist. Da zu Anfang nicht über Lärmgrenzwerte, Naturschutz, Feinstaub- und Verkehrsbelastung nachgedacht wurde, spitzte sich die Situation im Zuge der Salamitaktik des Betreibers immer mehr zu.

 

Kein Expansionsschritt ist davon abhängig gemacht worden, ob denn die Nachbarn zustimmen. Nur durch die Umweltgesetzgebung ist sichergestellt, dass die Naturinteressen vertreten durch die Umweltverbände überhaupt eine Rolle spielen.

 

Als besonders dreist habe ich empfunden, wie im Rahmen der Beantragung von 16 ha Erweiterungsfläche in den Villewald durch die Stellungnahme der Stadt Brühl versucht wurde, diesen Erweiterungsantrag auf 30 ha aufzubohren. Meine in einer Kreistagsrede bekundeten Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens sind inzwischen durch die Beschlusslage im Regionalrat bestätigt worden. Das Verfahren muss von vorn beginnen.

 

Grundsätzlich sind wir als GRÜNE der Meinung, dass sich das Phantasialand mit den gegebenen Flächen begnügen muss. Wir lehnen die Ausdehnung über die L 194 (Phantasialandstraße / Schnorrenberg) ebenso ab, wie die Nutzung des Naturschutzdreiecks zwischen Berggeist-, Phantasialandstraße und Autobahn.

 

Darüber hinaus ist mit den künftigen Umbauten auch für eine Verbesserung des Lärmschutzes zu sorgen. Neue offene Lärmquellen wie der Wasserspielplatz sind konsequenterweise auch abgelehnt worden.

 

Offen in der GRÜNEN Diskussion ist, wie wir zu einer Überbauung der jetzt als Parkplätze genutzten Flächen Richtung Osten stehen. Voraussetzung wäre auf jeden Fall, dass hier für dauerhaften Lärmschutz gesorgt würde, möglicherweise mit einer abschließenden Gebäudekante. Ebenso offen ist die Frage, ob wir uns ein Parkhaus auf der westlichen Seite der Berggeiststraße südlich der Autobahn vorstellen können, so wie sie der Forst vorschlägt.

 

Ganz generell gilt, dass sich die GRÜNEN insgesamt ein Betriebskonzept wünschen, dass auf lärmintensive offene Attraktionen verzichtet und eher auf ein Unterhaltungskonzept für Generationen jenseits der 30 setzt. Aber das geht uns als Fraktion ja nichts an.

 

Erst im Rahmen eines generellen Konzeptes, das auf die Forderungen auch von Umweltverbänden und Nachbarn abgestellt ist, können wir uns eine Unterstützung des Phantasialands vorstellen.

 

Wir sind insbesondere nicht von der wirtschaftlichen Bedeutung des Phantasialandes für die Stadt und für den regionalen Arbeitsmarkt überzeugt. Wir haben bis heute trotz mehrfacher Nachfragen keine Ahnung, ob und wenn ja wie viel an Gewerbesteuern durch die diversen Firmen unter dem Dach Phantasialand gezahlt werden. Wir wissen auch nicht, wie teuer die Saisonarbeitskräfte der Bundesanstalt für Arbeit in der Nichtsaison kommen.

 

Doch nun zu den Fragen im Einzelnen, wobei diese nicht isoliert vom übrigen Schreiben veröffentlicht werden dürfen!

 

1. Sie fragen nach Maßnahmen gegen die wachsende Lärmbelästigung der Anwohner. Wir schlagen Betriebskonzepte vor, die auf ruhigere Unterhaltung zielen. Es sollten keine neuen offenen Lärm erzeugenden Attraktionen mehr genehmigt werden. Die weitere Planung des Areals muss sich den Maßgaben von Lärm- und Naturschutz unterordnen.

 

2. Sie fragen danach, ob meine Partei oder ich Lärmbelastungen in reinen Wohngebieten mit durchschnittlich 57 dB(A), in Spitzen auch mehr, auch an Sonn- und Feiertagen für akzeptabel halten. Nein, wir halten das für nicht akzeptabel.

 

3. Auch die Attraktion „Wakabato“ halten wir für nicht akzeptabel.

 

4. Durch die Westerweiterung des Phantasialandes in den Villewald käme es zu zusätzlichen Belastungen der Bürgerinnen und Bürger in Pingsdorf und Badorf. Ja, wir sehen das auch so. Wahrscheinlich würde die Lärmbelastung durch den Wegfall des Waldes auch noch weiter nach Brühl herein strahlen. Wir lehnen die Westerweiterung des Phantasialands ab.

 

5. Über die lärmgeschützte Überbauung der Parkplätze des Phantasialandes können wir erst dann urteilen, wenn uns ein Gesamtkonzept vorliegt, dass nachweist, dass die gewünschten Ergebnisse tatsächlich erzielt werden können. Darüber hinaus muss die betroffene Nachbarschaft einer solchen Planung natürlich erst zustimmen.

 

6. Sie wollen wissen, ob wir wissen, wie hoch die Feinstaubbelastung (in Tonnen) bereits heute durch den An- und Abreiseverkehr des Phantasialandes ist und wie hierdurch die Gesundheit der Brühler Bürgerinnen und Bürger belastet wird. Darüber hinaus möchten Sie wissen, ob wir eine Abholzung im Villewald für hinnehmbar halten und ob wir den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer lebenswerten und damit lärm- und feinstaubarmen Wohnumgebung unterstützen.

Sorry, ich weiß wirklich nicht, wie viele Tonnen Feinstaub die mit dem Auto an- und abreisenden Phantasialandbesucherinnen und -besucher auf Brühler Stadtgebiet lassen und wie hoch konkret die dadurch entstehende Gesundheitsbelastung der Brühler Bürgerinnen und Bürger ist. Insgesamt produziert der motorisierte Verkehr zu viel an Feinstaubbelastungen. Darüber hinaus ist er ja auch am CO2-Ausstoß beteiligt und heizt das Klima auf. Systematische Zusammenhänge zwischen Allergien und Atemwegserkrankungen und Feinstaubbelastungen sind mir bekannt. Generell ist daraus zu folgern, dass wir die Verkehrssysteme umstellen müssen auf eine umweltfreundliche und gesunde Mobilität (Öffentliche Verkehrsmittel, Radeln, Gehen). Der Individualverkehr ist auf solargestützte Elektroantriebe oder Wasserstoffbrennstoffzellensysteme umzustellen. Für das Phantasialand kann ich mir immer noch eine Anbindung an die Stadtbahnlinie 18 über die Autobahntrasse vorstellen.

7. Die überbaubaren Flächen des Phantasialandes sind der ehemalige Busparkplatz, einige Flächen, auf denen jetzt Verwaltungsgebäude stehen, und die Parkplätze bei Verlagerung in ein Parkhaus jenseits der Autobahn.

 

8. Die Frage verstehe ich grammatikalisch nicht.

 

9. Als alter Katholik weiß ich natürlich die stillen Feiertage zu schätzen und finde, da sollte auch im Phantasialand Ruhe herrschen. Generell sollte der Betrieb des Phantasialands vielleicht auf sechs von sieben Tagen beschränkt werden.

 

 

Täuschen Sie sich nicht, ebenso wichtig wie die Kommunalwahl ist auch die Bundestags- und vor allem auch die Landtagswahl im kommenden Jahr. Sie können sicher sein, dass auch in der CDU Landtagsfraktion Mehrheiten zu finden sind, die den Verkauf des Villewaldes beschließen. Zumal dieser durch die angedachten Ausgleichsflächen auch für die CDU und ihren Landrat äußerst attraktiv sind. Das Phantasialand soll nämlich den Wald in der Erftaue rund um die Gymnicher Mühle aufforsten.

 

Aber was schreibe ich so viel: Laden Sie mich ein und stellen Sie mich zur Rede, möglichst bald.

 

Vielleicht helfen Sie mir, bei der Wahl des Stadtrats den Wahlkreis 5 direkt für die Grünen zu gewinnen?

 

Unterstützung könnte ich auch für die Kandidatur zum Kreistag gebrauchen, hier bin ich Direktkandidat im Brühler Wahlkreis 30 und auf Platz 6 der Reserveliste.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Johannes Bortlisz-Dickhoff

 

GRÜNE Fraktion im Stadtrat Brühl

GRÜNE Fraktion im Kreistag Rhein-Erft-Kreis

GRÜNE Fraktion in der Landschaftsversammlung Rheinland