Medizin muss mehr sein ...

Auf eine Anfrage zur Komplementärmedizin habe ich etwas ausführlicher geantwortet. Komplementärmedizin meint all das, das nicht zum Standardrepertoir der Ärzte gehört.

Vielen Dank für Ihr Schreiben, das ich leider erst jetzt beantworten kann. Sie sprechen eine Thematik an, die ich selbst für sehr wichtig halte.

 

Die Schulmedizin hält große Stücke auf ihre naturwissenschaftliche Grundlegung. Prozesse, Wirkstoffe und Verfahren, die nicht in Form überprüfbarer Experimente ihre Wirksamkeit beweisen können, sind dieser Medizin von vornherein suspekt.

 

So sprechen Sie komplementär-medizinische Verfahren an, die sie für sich als wirksam wahrgenommen haben. Sie möchten, dass diese Verfahren als Teil des Behandlungssettings durch die Kassen bezahlt werden.

 

Ich bedauere wie sie, dass verschiedene Verfahren und Medikamente nicht durch die Krankenkassen finanziert werden, sehe aber Bewegung auf dem Sektor. Die Wirksamkeit von Akupunktur musste nach entsprechenden Untersuchungen anerkannt werden. Die Wirksamkeit von Homöopathie wird nach wie vor schulmedizinisch bestritten und allein auf Placeboeffekte zurückgeführt. Dies an sich ist aber unhaltbar, weil insbesondere auch Tiere auf homöopathische Medikamente reagieren, aber sicher nicht auf Placeboeffekte.

 

Meine Partei entwickelt das Thema Gesundheitspolitik im Programm zur Bundestagswahl im Kapitel 3. Das Unterkapitel lautet „Solidarische Gesundheitspolitik und Prävention statt Reparaturbetrieb“.

 

Zunächst wird hier erläutert, wie wichtig Prävention und Gesundheitsförderung sind. Hier wollen wir mithilfe eines Bundesgesetzes die verschiedenen örtlichen Ansätze einer Gesundheitsförderung und Prävention auf eine verlässliche Basis stellen. Zur Finanzierung sollen auch die Sozialversicherung, die privaten Kassen und die öffentliche Hand beitragen.

 

Gefordert wird die bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Professionen im Gesundheitssystem insbesondere hinsichtlich der Durchlässigkeit des Systems. Dies strikte Trennung von ambulant und stationär, Pflege und Rehabilitation wird als ineffizient kritisiert.

 

Patientinnen und Patienten sollen, so heißt es nun wörtlich, „Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben. Naturheilmedizin und komplementärmedizinischen Angebote müssen einen gleichberechtigten Stellenwert in der gesundheitlichen Versorgung erhalten.“

 

Die Grünen wollen die Bürgerversicherung und die Stärkung der hausärztlichen Versorgung mit der besonderen Lotsenfunktion des Hausarztes durch das Medizinsystem. Mithilfe einer Positivliste für Medikamente soll ein Beitrag zur Kostensenkung verbunden sein. Entscheidungen über Neuzulassungen von Medikamenten müssen nachvollziehbar und transparent sein.

 

So viel zum Programm.

 

Ihre Fragen kann ich daher wie folgt beantworten:

 

1. Die Partei fördert den Methodenpluralismus in der Medizin durch die Forderung nach Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Behandlungsarten.

 

2. Konsequenterweise wird das Anliegen unterstützt, Fachmenschen der anerkannten „besonderen Therapieeinrichtungen“ im Gemeinsamen Bundesausschuss mitwirken und mit entscheiden zu lassen.

 

3. Wenn ein Arzneimittel zugelassen ist, und dabei sollen ja auch Fachmenschen der besonderen Therapieeinrichtungen und sicher auch Fachmenschen für Naturheilverfahren mitwirken, müssen diese wie andere Arzneimittel auch allgemein verfügbar sein.

 

4. Wir setzen uns für die allgemeine Bürgerversicherung ein, damit die ausreichende Finanzierung auch nichtverschreibungspflichtiger Arzneien gewährleistet ist. Allerdings wird die Erstattung von Arzneikosten immer von einem medizinischen Attest abhängig bleiben müssen.

 

5. Die Forschung, insbesondere die Grundlagenforschung, muss auch auf Felder ausgedehnt werden, die bisher unterrepräsentiert sind: Komplementärmedizin, Naturheilverfahren, und weiteres mehr.

 

Ich persönlich, dies habe ich noch in keinem Programm entdeckt, auch keinem GRÜNEN, würde mich für eine Enquete Kommission „Heilwissen der Welt“ einsetzen, um auf erkenntnistheoretisch fundierter aber nicht einseitig westlich naturwissenschaftlicher Grundlage das Heilwissen zusammenzutragen, das die Völker der Welt entwickelten.